1930

Josef Becherer genannt „Schüsselesepp" übernimmt die musikalische Leitung der Kapelle. Er erhält für die Abhaltung jeder Probe eine Belohnung von 2 Mark. Aus finanziellen Gründen werden die vor wenigen Jahren eingeführten Vereinsdiener wieder abgeschafft.

Bei der jährlichen stattfindenden Weihnachtsfeier lobt Vorstand Markus Kuhn in besonderer Weise den Auftritt des Gesangsvereins. Die Musikkapelle hingegen wurde von ihm vor dem gesamten Publikum laut Protokoll „in ganz niederträchtiger Art und Weise hingestellt." Es blieb ihm nichts anderes übrig als noch am selben Abend sein „sofortiges Entlassungsgesuch" einzureichen.

Radsportler und Musikkapelle beteiligen sich am 25. Mai am Kirchgang zur Fahnenweihe des neu gegründeten Gesangsvereins „Sängerrunde" . Hierzu ist folgender Vorstandsbeschluss zu lesen: „Die Musik beteiligt sich unentgeltlich an der Feier, doch muss der Gesangsverein für die trockenen Kehlen der Musikanten Rechnung tragen".

1931

Nach der Fronleichnamsprozession gibt die Musikkapelle ein Konzert im „Ladhof". Um die Vereinskasse aufzubessern, wird eine Tellersammlung durchgeführt. Diese ist allerdings „auch wegen der wirtschaftlichen Notlage des Volkes" mit nur 13 Mark sehr schlecht ausgefallen. 

 

Bemerkenswert sind zwei Vorstandsbeschlüsse: Dem Dirigent wird eine Gehaltserhöhung von 2 Mark auf 2,50 Mark zugebilligt und für die Reparatur einer Trompete steuert der Verein zukünftig fünf Mark bei.

Der Verein nimmt am 16. August mit 58 Fahrern samt Musik am Gausportfest in Kollnau teil und erringt unter 40 beteiligten Vereinen den Meistpreis.

1932

Der Verein begeht am 28. August sein 20-jähriges Gründungsfest, verbunden mit dem 10-jährigen Bestehen der Musikkapelle. Auch der Radsportbezirk Elztal begeht an diesem Tag in Unterprechtal sein 20-jähriges Jubiläum mit einem Korsofest an welchem die 14 nachstehenden Vereine teilnehmen: Kollnau, Bleibach, Gutach, St. Peter, Ebnet, Wagensteig,Kenzingen, Mühlenbach, Welschensteinach, Fischerbach,Schönwald, Niederwinden, Waldkirch und Glottertal.

Der Verein beim 20 jährigen Jubiläum

Interessant ist ein Eintrag vom 20. November 1932. Dort heißt es: „Am 20. November hat die Musikkapelle des Vereins im Gasthaus „Zur Pelzmühle" ein Konzert abgehalten. Dieses war gut besucht und man hatte den Eindruck dass die Musikkapelle Unterprechtal allmählich mehr Achtung in der Öffentlichkeit genießt als dies bisher der Fall war."

1933

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wirkt sich bereits im Herbst 1933 auch auf das Vereinsleben aus. Der „Deutsche Rad- und Motorfahrer Bund Concordia" wurde per Dekret - wie viele andere Verbände auch - zwangsaufgelöst. Somit mussten sich auch die ihm angeschlossenen Vereine neu aufstellen. In einer am 29. Oktober abgehaltenen Versammlung kommen 24 Mitglieder zusammen. Sie gründen den Verein wieder und schließen sich zwangsweise dem neuen Einheitsverband „Deutscher Radfahrerverband" an.

Am 06. August beteiligt sich die Concordia an einer Sternfahrt in Waldkirch und erhält den Meistpreis. Dies sollte der letzte radsportliche Auftritt für viele Jahre sein. In den Folgejahren tut sich im Radsport so gut wie gar nichts mehr und die Vereinsaktivitäten konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Musik.


1934

Die Gängelung durch die Politik nimmt ihren Lauf. Im Protokoll der Generalversammlung vom 14. Januar 1934 ist nachzulesen „Herr Stützpunktleiter Eduard Wernet, welcher auch erschienen war um die politische Einstellung des Vereins zu prüfen, fand wohl alles in bester Ordnung und dankte dem Verein für das bisherige Entgegenkommen und forderte  den  Verein  auf,  auch  in Zukunft in Eintracht und Frieden und Einigkeit miteinander zu arbeiten, zum Wohle des Volkes und Vaterlandes". Ab sofort werden der Vereinsvorstand und sein Stellvertreter in den Protokollen als „Erster und Zweiter Führer" bezeichnet.

An der traditionell am Stephanstag abgehaltenen Weihnachtsfeier nimmt auch der junge Elzacher Vikar Dr. Hermann Schäufele teil und hält einen kleinen Vortrag. Was an diesem Abend keiner ahnen konnte, Dr. Hermann Schäufele wird viele Jahre später, nämlich 1956 zum Erzbischof von Freiburg ernannt.

1935

Die Musikkapelle wird immer öfter zu Veranstaltungen des Regimes zwangsverpflichtet. Die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession in Elzach mit einem anschließenden kleinen Konzert, sowie die zur Tradition gewordene Weihnachtsfeier mit Theateraufführung lässt man sich aber nicht  nehmen.

1936

Hier wird nur über ein Konzert im „Ladhof" berichtet, welches sehr schlecht besucht war. Der Vereinsbeitrag wurde auf zwei Mark für Erwachsene und eine Mark für Jugendliche festgesetzt.

1937

Anstatt des anstehenden 25-jährigen Gründungsfestes unternimmt der Verein einen Ausflug mit drei bis auf den letzten Platz vollbesetzten Omnibussen. Die Fahrt führt über Freiburg und den Südschwarzwald in die „Haseler Höhle". Der Chronist vermeldet noch folgendes: „ Um den guten Oberländer Wein zu kosten, wurde in Schallstadt-Wolfenweiler nochmals Rast gemacht. Um 9 Uhr Abends spielt die Kapelle den „Schlussmarsch Nummer Null",und es geht „in fröhlicher Stimmung" wieder der schönen Heimat zu."

1938

Die Musikkapelle spielt bei einer Wahlkundgebung der NSDAP auf dem Ladhof, bei einem Propagandaumzug in der Frischnau und einem Fackelumzug beim „Grünen Baum". Ebenso hat sie einen Auftritt am Wahltag vor dem Wahllokal und bei einer im Mai angesetzten Luftschutzübung. Außerdem wird die Mitwirkung der Musikkapelle zu der „Verpflichtung der Parteianwärter" angeordnet. Der Chronist schreibt sachlich und ohne auf den ausgeübten politischen Druck näher einzugehen.

Viele Möglichkeiten für ein eigenes Vereinsleben blieben nicht, doch wieder gibt die Musikkapelle nach der Fronleichnamsprozession im „Ladhof" ein sehr gut besuchtes Konzert.

1939

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges im September bringt das Vereinsleben   vollständig  zum Erliegen. Die Mehrzahl der „Mitglieder und Musiker" werden zur Wehrmacht eingezogen und tragen nun das „Ehrenkleid des Vaterlandes" . Leider werden viele von ihnen dem Verein für immer entrissen und ruhen „in fremder Erde". Insgesamt 10 Vereinsmitglieder sind in den sechs Kriegsjahren gefallen. Weitere Mitglieder geraten in Kriegsgefangenschaft und kehren erst Jahre später und oftmals schwer krank in ihre Heimat zurück.